Blautopf, Blaubeuren – Ein Ort romantischer Sagen und Märchen

von Peter Engelmann, 10. August 2022


Habt ihr schon einmal nach einem Motiv gesucht, um die deutsche Romantik in Reinform darzustellen? Der Blautopfsee bei Blaubeuren auf der Schwäbischen Alb ist genau so ein Motiv.

Der Blautopfsee ist die zweitgrößte Karstquelle Deutschlands und dient als Quelle des Flusses Blau. Seine Besucher sehen ein magisch erscheinendes Gewässer, dessen intensive Farbe zwischen Blau und Smaragdgrün changiert und sich immer wieder verändert. Der Blautopf sieht aus wie ein riesiges Auge oder wie ein Portal zu einer anderen Welt. 

Was brauchen wir noch für eine romantische Märchenkulisse? Genau: ein rauschendes Mühlrad, eine geheimnisvolle Schmiede und eine mittelalterliche Stadt – es ist alles vorhanden. 

Jede Menge Motive

Genau gegenüber vom tiefblauen See befindet sich eine historische Hammerschmiede. Auch wenn das heute darin untergebrachte Café und das Informationszentrum für Touristen uns zurück in die Gegenwart holen, stören diese Einrichtungen den romantischen Eindruck nicht im Geringsten. Wer hätte schon etwas gegen eine Tasse Kaffee am Ufer des Blautopfes, mit Blick auf die glitzernde Wasseroberfläche, die die umgebenden Baumkronen spiegelt? 

In unmittelbarer Nähe schließt sich das Städtchen Blaubeuren mit seinen zahlreichen pittoresken Fachwerkhäusern im alemannischen Stil, teilweise noch mit  mittelalterlicher Bausubstanz und unter strengem Denkmalschutz, und seiner berühmten spätgotischen Klosteranlage an. Um das romantische Panorama zu komplettieren, thronen malerische Burgruinen auf den Hügeln über dem Tal.

Der Blautopf und Blaubeuren liegen inmitten eines breiten Tals unweit von Ulm, der größten Stadt in der Nachbarschaft. Sie sind beliebte Touristenziele.

Romantische Fantasie

Es ist kaum verwunderlich, dass der Blautopf mit seiner außergewöhnlichen Farbe und seiner unauslotbaren Tiefe eine Inspiration für viele Volksmärchen und romantische Geschichten war. Angeblich stahlen Nixen regelmäßig das Tiefenlot, wenn Forscher versuchten, Messungen vorzunehmen. Schriftsteller wie E. T. A. Hoffmann oder Ludwig Tieck und Maler wie Caspar David Friedrich und Johann Friedrich Overbeck prägten im frühen 19. Jahrhundert das Zeitalter der Romantik. In dieser Ära wurde die Karstquelle zunehmend bekannter, weil sie die romantische Fantasie anregte. Die Übergänge zur nachfolgenden Epoche des Biedermeier waren fließend, und auch ihre Dichter ließen sich noch vom Blautopf inspirieren. 

Die schöne Lau

Eduard Mörike, ein bekannter deutscher Romancier und Dichter des Biedermeier, verarbeitete viele Geschichten aus der Region in seinem Märchen „Das Stuttgarter Hutzelmännlein“ (1853). Es ist die Geschichte eines Wandergesellen, der von Stuttgart nach Blaubeuren reist. In diese Rahmenhandlung baute Mörike mehrere Binnengeschichten ein, darunter die „Historie von der Schönen Lau“: Die Meerjungfrau Lau lebt mit ihrem Mann, einem Wassernix, an der Donaumündung. Weil sie nicht lachen kann, wird sie von ihm verstoßen und auf den Grund des Blautopfes gesperrt. Schließlich kommt ihr die Wirtin des Gasthauses Nonnenhof, eine waschechte Schwäbin, mit ihren Scherzen zu Hilfe – Lau kann herzlich lachen und ist rehabilitiert. Eine kleine Statue am See erinnert an ihre Geschichte, doch viel romantischer ist es, sich vorzustellen, dass das Gras auf der Wasseroberfläche in Wahrheit ihre langen Haare sind, die aus der Tiefe emporsteigen …

Eines der beeindruckendsten Wasserhöhlensysteme Deutschlands

Moderne wissenschaftliche Entdeckungen in der Region sind indes noch fantastischer als die reiche Imagination romantischer Schriftsteller. Offiziell ist das Quellbecken 22 Meter tief, aber auf seinem Grund ist man noch lange nicht am Ende: Der Blautopf ist der Eingang zu einem unglaublichen Höhlensystem. Taucher nutzen den Blautopfsee als Einstiegspunkt für Expeditionen in das monumentale Höhlensystem „Blauhöhle“. Es ist in der Tat ein Portal zu einer anderen Welt.

Höhlentauchen ist ein gefährlicher Sport. Weil es unter Hobbytauchern immer wieder zu Unfällen kam, darunter auch tödliche, hat die Gemeinde den Blautopf seit den 1980er-Jahren für die Allgemeinheit gesperrt. Es gibt nur wenige Sondergenehmigungen, darunter für den Verein „Arbeitsgemeinschaft Blautopf“, der das Höhlensystem erforscht. Die Wasserhöhle wurde in den Jahren 1960–62 entdeckt. Später machte der Forscher und Taucher Jochen Hasenmayer weitere unglaubliche Entdeckungen. Die meisten Teile der Höhle befinden sich unter Wasser, aber es gibt riesige Gewölbe, die aus ausgetrockneten Unterwasserseen und riesigen Stalaktiten bestehen. Höhlenforscher sind fasziniert von dieser geheimen unterirdischen Welt, die noch viele Geheimnisse birgt. Bis heute ist dies ein gefährliches Terrain, das für die Öffentlichkeit nicht zugänglich ist. Es gibt jedoch erstaunliche Dokumentationen über Expeditionen in das Höhlensystem, wie „From The Blue, Into The Dark“, die sehr zu empfehlen sind.

Praktische Hinweise

Die beste Zeit für Fotografie und Videografie sind im Sommer die Morgenstunden. Der Blautopf ist ein Motiv, das besser aussieht, wenn die Sonne scheint. Seine beeindruckende blaugrüne Farbe entsteht durch die nanoskaligen Kalksteinpartikel. Sie sind dicht im See verteilt und bewirken einen Streulichteffekt.

Vielleicht solltet ihr aber auch den Herbst für einen Besuch in Betracht ziehen. Bei den umgebenden Bäumen handelt es sich nämlich überwiegend um Laubbäume. Mit dem magisch blauen See auf der einen Seite und den rot und gelb gefärbten Blättern auf der anderen ergibt sich eine wunderbare Farbpalette.

Anfahrt und Weg

Das Blautopf ist leicht erreichbar. Vom Bahnhof Blaubeuren sind es 25 Gehminuten. Blaubeuren ist ca. 16 km von Ulm entfernt. Die Bahnfahrt beträgt ab Ulm ca. 12 Minuten; Züge fahren häufig. Stuttgart ist ca. 80 km von Blaubeuren entfernt. In der Nähe des Blautopfs befindet sich ein großer Parkplatz.

Ein schöner Rundweg führt um den Blautopfsee. Von dort gibt es viele verschiedene Perspektiven auf das blaue Wasser und die Hammerschmiede.

Nach der Umrundung des Blautopfs führt der Weg direkt in das mittelalterliche Städtchen Blaubeuren.

In der Nähe des Blautopfs befindet sich das spätmittelalterliche Kloster Blaubeuren, in dem ein Museum untergebracht ist. Auf dem Klostergelände liegt auch das historische Badehaus der Mönche, das ebenfalls besichtigt werden kann. Wenn noch Zeit bleibt, ist das URMU, das Urgeschichtliche Museum, ein weiteres Highlight in dieser erstaunlichen Stadt. Spuren menschlicher Präsenz auf der Schwäbischen Alb reichen bis 40 000 v. Chr. zurück, und das Museum zeigt einige außergewöhnliche Relikte. Zu ihnen gehört der „Löwenmensch“, der als geheimnisvollstes und größtes Kunstwerk der jüngeren Altsteinzeit gilt.

Deutsche Bearbeitung: Redaktionsbüro Niemuth

Kategorien: Naturwunder, Sommer, Reisetipp, Unkategorisiert

Tags: Baden-Württemberg, Blaubeuren, Blautopf, Blautopfsee, Höhle, Karstquelle, Schwäbische Alb, Wasserhöhle

Das Himmelmoor in Norddeutschland – eine geheimnisvolle Landschaft

von Peter Engelmann, 5 Juli 2022

Das Himmelmoor bei Quickborn im Kreis Pinneberg (Metropolregion Hamburg) war einst das größte Hochmoor Schleswig-Holsteins und umfasste ursprünglich 600 Hektar Moorfläche. Heute ist das Naturschutzgebiet eine teils naturbelassene, teils rekultivierte Landschaft. Wie viele Hochmoore, wurde es lange ausgebeutet und überlebte nur knapp den Torfabbau. Von diesem ehemaligen Torfabbau sind noch viele Spuren erhalten. Heute wird das Himmelmoor häufig von Wanderern und Ausflüglern besucht.

Beobachtungsort für Naturliebhaber und Fotografen

Das Himmelmoor ist ein interessanter Raum für Naturliebhaber und ein Refugium für viele geschützte Pflanzen- und Tierarten, vor allem für eine große Vielfalt an Vögeln. Es gibt hier verschiedene Moortypen. All dies macht das Himmelmoor zu einem einzigartigen Motiv für Foto- und Videografen – hier gibt es einfach jede Menge faszinierender Dinge zu beobachten.

Das Gebiet ist über einen vier Kilometer langen Wanderweg (oder über einen 12 Kilometer langen Weg, der die Umgebung einschließt) erreichbar. Bitte bleiben Sie immer auf dem Weg und richten Sie keinen Schaden an. Jedes interessante Motiv ist vom Weg aus zugänglich. Es gibt auch ein paar kleine Hügel als Aussichtspunkte. Teilweise ist der Weg mit Holzbohlen gesichert. Da der Untergrund zu manchen Jahreszeiten sehr feucht sein kann, macht ein solcher „Holzbohlenweg“ den Rundgang für Wanderer angenehmer.

Geschichte erleben mit der Torfbahn

Wenn Sie den Trail im Uhrzeigersinn begehen, können Sie gleich zu Beginn der Tour einige interessante Gebäude und Überreste aus der Zeit des Torfabbaus sehen. Zu den eindrucksvollsten Motiven gehören die alten Bahngleise, über die der Torf abtransportiert wurde. Sie sehen auch die kleinen Transportwagen, „Loren“ genannt. Gelegentlich sind diese Loren sogar als Sonderbahn für Besucher im Einsatz. „Die Torfbahn“ hat begrenzte Sitzplätze; Termine der Fahrten finden Sie hier. Auch auf einer eigenen Facebook-Seite gibt es dazu regelmäßige Updates. Während der Fahrten informiert ein Guide über das Himmelmoor und seine Geschichte, die wie viele Orte des Torfabbaus auch dunkle Aspekte hat. Häftlinge mussten diese schwere Arbeit oft unter unmenschlichen Bedingungen verrichten.

Neben einigen natürlichen Seen sind auch die Überreste aus der Torfgewinnung, auf die man immer wieder trifft, sehenswert. Es dauert lange, ein so sensibles Naturschutzgebiet zu rekultivieren. Ehrenamtliche Helfer investieren viel Zeit, um die Natur intakt zu halten und zugleich die historischen Überreste des Torfabbaus zu restaurieren. So ergeben sich unterwegs viele unterschiedliche Eindrücke. Im Sommer bieten das Wollgras und das Blau der Seen einen tollen Anblick.

Es ist sinnvoll, einige Stunden für einen Besuch des Himmelmoors einzuplanen. Entlang des Weges gibt es immer wieder interessante neue Blickwinkel und Aussichtspunkte. An heißen Tagen kann der Weg etwas anstrengend sein, doch man wird für den Aufstieg auf die kleinen Hügel mit schönen Panoramablicken belohnt.

Wollgras im Hochmoor

Stimmungsvolles Wolkenspiel …

Da wir uns hoch oben im Norden Deutschlands in Schleswig-Holstein befinden, wo das Land größtenteils flach ist, gibt es die charakteristischen „endlosen“ Horizonte. Sie tragen zum einzigartigen Eindruck des Himmelmoors bei. Das Meer ist nicht weit entfernt und an den meisten Tagen im Jahr weht Wind. Das Wetter ändert sich normalerweise oft, was spektakuläre Momente mit ziehenden Wolken und einem schnellen Wechsel der Stimmungen ermöglicht. Wie in jedem Moor herrscht hier eine besondere Atmosphäre. Moorlandschaften sind oft ein bisschen unheimlich und erscheinen manchmal sogar wie aus einer anderen Welt. Vielleicht haben Sie gerade deshalb Lust, an einem nebligen Herbsttag hierherzukommen … 

An diesem Tag gab es jedoch keine Gespenster oder andere mysteriöse Erscheinungen. 

Wiese und überflutetes Gebiet von einem erhöhten BeobachtungsplatzMeadow.

… und interessante Vegetation

Im Sommer ist es möglich, die sehr abwechslungsreiche Vegetation der Gegend zu studieren. Es gibt einige offene Landschaften, aber auch einen schönen Wald mit Birken, der recht märchenhaft anmutet. Beim Rundgang lohnt es sich, auf kleinere Details wie außergewöhnliche Blumen und Gräser zu achten. Auch die Tierwelt ist spannend und vielfältig. Man kann Libellen und Schmetterlinge beobachten, aber auch viele Vogelarten, darunter Weißstörche, Kraniche, Schwarzspechte und Uhus.

Die Grenze zwischen offener Moorlandschaft und Birkenwald.

An einigen Stellen kann man die verschiedenen Schichten des Bodens sehen. Bemerkenswert sind die strahlenden Farben. Alles ist besonders in dieser außergewöhnlichen Landschaft.

Interessante Plätze im Birkenwald entlang des Wanderweges, ein lebendes “Lehrgebiet”.

Moorlandschaften sind in der Regel weniger bunt als beispielsweise eine alpine Landschaft. Dies kann ein interessanter Aspekt bei der Aufnahme von Bildern sein, die eine Struktur enthalten sollten. Eines der faszinierendsten Elemente in dieser schier endlosen Weite ist das Zusammenspiel zwischen dem Wasser mit dem sich darin spiegelnden Himmel und der Moorlandschaft. 

Wildnis auf den ersten Blick, bei genauerem Hinsehen ergeben sich immer wieder interessante Strukturen.

Es ist immer besonders schön hier zu sein, wenn etwas Wind geht. Die Oberfläche des Sees kräuselt sich dann und ergibt interessante Strukturen..
Beobachtungsplatz am Weg

Das Himmelmoor ist gut erreichbar. Der nächstgelegene Bahnhof ist Quickborn mit der AKN aus Hamburg kommend. Das Naturschutzgebiet ist nicht weit von Hamburg entfernt. Es gibt einen Parkplatz am Ausgangspunkt, der während der Ferienzeit und an manchen Wochenenden sehr voll sein kann. Bitte halten Sie sich immer an die von den Behörden festgelegten Regeln.

Schleswig Holstein hat viele sehr wertvolle FFH-Gebiete (Flora-Fauna-Lebensräume), von denen einige nicht weit voneinander entfernt sind. Es könnte sich also lohnen, etwas zu recherchieren und auch einige der anderen Naturdenkmäler im Umkreis zu besuchen.

Deutsche Bearbeitung: Redaktionsbüro Niemuth

Majestätische Berge und ein Zauberwald – Das Schwarzwassertal in Österreich

von Peter Engelmann, 28 Juli 2022

Das bekannte Kleinwalsertal im österreichischen Bundesland Vorarlberg ist im Winter wie im Sommer ein beliebtes Ausflugsziel. Es gehört zwar zu Österreich, man kommt aber nur von Deutschland aus dorthin. Das Kleinwalsertal ist eine österreichische Enklave. Der Name Walser bezieht sich auf die Geschichte: Die erste Besiedlung erfolgte von Süden, aus der Schweizer Region Wallis. 

Bei Oberstdorf beginnt das Tal mit seinen vielen Aussichtspunkten. Die Hauptorte im Hochgebirge sind Mittelberg, Hirscheeg und Riezlern. Am Ende des Talschlusses liegt Baad. Vom Kleinwalsertal aus führen viele Wanderwege in wunderschöne und spektakuläre Hochtäler mit Almen. Eines davon ist das Schwarzwassertal. Dieses fantastische Tal bietet viele hervorragende Motive für Foto- und Videografen. Aufgrund seiner herausragenden geologischen Formationen und seiner reichen Flora ist es ein Muss für jeden Naturinteressierten. Auf dem Weg zur Melköde-Alm liegt ein Torfmoor.

Wildnis rund um den Ifen

Ein guter Ausgangspunkt für einen Ausflug ins Scharzwassertal ist der Parkplatz bei der Ifenbahn und der Auenhütte. Eine Bergstraße verbindet die Talstation der Ifenbahn, Hirschegg und Riezlern. Das Kleinwalsertal verfügt über ein hervorragendes öffentliches Verkehrsnetz. Busse kommen oft, und es gibt eine Busverbindung nach Oberstdorf in Deutschland; eine gute Alternative, wenn man das Auto nicht nutzen möchte. Der Wanderweg beginnt am Ende des Parkplatzes auf der linken Seite des Bahnhofs und führt zu einem See, der in magischen Grün- und Blautönen schimmert. Dieser Stausee liefert im Winter das Wasser für die Beschneiungsanlagen. Zwischen dem See und der Alm Melköde (wo Sie im Sommer essen und trinken können), liegt auf der linken Seite des Weges ein beeindruckender, unberührter Bergwald. An manchen Stellen wirken massive Felsen wie antike Relikte. Auch wenn es sehr bequem ist, dort zu laufen – und natürlich sind hier oft viele Wanderer –, ist es ein Gefühl, als würde man in die Wildnis eintreten.

Über dem Tal thront der einschüchternde Hohe Ifen. Dieser Berg ist eine weitere großartige Sehenswürdigkeit und ein sehr interessantes geologisches Phänomen. Der Hohe Ifen ist mehr als 2200 Meter hoch. Seine raue Tafelbergform ist für die Alpen recht ungewöhnlich. Mit seiner wilden und widerspenstigen Felswand bietet er einen spektakulären Anblick. Es ist leicht vorstellbar, dass unsere Vorfahren ihn als heiligen Berg oder rituellen Ort gesehen haben könnten. Besonders interessant und geheimnisvoll wirkt er, wenn es keinen blauen Himmel, aber einige Wolken und Nebel gibt. Wenn Nebelschwaden die Berge hinaufsteigen oder Wolken den Gipfel umspielen, kommt die wilde Natur des Ifen-Gebiets noch stärker zum Vorschein.

Hoher Ifen Plateau

Die Weiden

Der Weg steigt langsam an. Wenn Sie den Bergwald fotografieren möchten, gibt es viele Motive entlang des Weges. An einer Stelle führt ein kleiner Pfad nach links zu einem leider schon ziemlich verwitterten und zugewachsenen Bildstock, dessen Heiligenbild kaum noch zu erkennen ist. Es lohnt sich dennoch, sich ein paar Minuten Zeit zu nehmen, um dorthin zu gehen, denn der Bildstock befindet sich auf einem kleinen Hügel im Berg, mit Blick auf eine wilde Gegend mit einigen weiteren großartigen Aussichten.

Einige Minuten später, zurück auf der Hauptwanderung, öffnet sich die Landschaft auf Wiesen und Weiden. Kommt man an einem Tag hierher, an dem sich die letzten Regenwolken verziehen und ein Wechselspiel aus Sonnenlicht und Wolken herrscht, ist das wie eine Szene aus „Der Herr der Ringe“. Der Wasserfall hinter dem Weideland verstärkt den Eindruck. Diese Almen sind einzigartig, da sie teilweise zum Torfmoor gehören. Hier wird schon seit sehr langer Zeit Landwirtschaft betrieben. Der Bergbauernhof Melköde geht auf das Jahr 1566 zurück. Zu seiner langen Geschichte gehören auch einige katastrophale Ereignisse: Lawinen zerstörten ein paar Mal Gebäude. Bei einem dieser Ereignisse starben 20 Menschen. Die Wildnis ist hier immer nah, und man darf nie vergessen, die Naturgewalten zu respektieren. Die Almen liegen auf einem Hochplateau im Schwarzwassertal auf 1350 Meter ü. M. Das ermöglicht besondere Lichtverhältnisse und intensive Farben. Die Wiesen sind tolle Motive.

Almwiese neben der Melköde, Schwarzwassertal, Kleinwalsertal

Wanderung zur Schwarzwasserhütte

Nach einer Einkehr beim Bauern- und Gasthaus Melköde führt der Weg in steileres Gelände. Es ist nicht schwierig weiterzugehen, aber der Weg verändert sich nun und erfordert etwas mehr Ausdauer. Dabei ist er in ausgezeichnetem Zustand, und man muss die schwere und ausdauernde Arbeit der Menschen anerkennen, die sich um diesen großartigen Weg in die Berge kümmern. Denken Sie dennoch daran, dass es sich ab hier um alpines Gelände handelt und nicht mehr um einen Ziehweg. Es gibt einige Abschnitte, in denen erhöhte Aufmerksamkeit erforderlich ist. Bei Regen ist dieser Weg rutschig.

Auch die Klima- und Wetterbedingungen tragen zu der besonderen Qualität des Schwarzwassertales bei. Die Temperatur ist im Sommer gemäßigt, und es regnet viel. Im Winter fällt Schnee. Das sind gute Voraussetzungen für eine einzigartige Vegetation mit einer Vielfalt an Pflanzen, viele von ihnen streng geschützt. Das Schwarzwassertal ist Teil des Pflanzenschutzgebiets rund um den Hohen Ifen.

Der Weg öffnet sich wieder und die urige Schwarzwasserhütte kommt in Sicht. Hier ist ein idealer Ort, um weitere Bilder von beeindruckenden Ansichten zu machen: auf der linken Seite imposante Grasberge, gegenüberliegend erneut das Ifenplateau. Auch wenige Meter von der Almhütte entfernt gibt es tolle Möglichkeiten, Fotos oder Videos zu machen.

Die Schwarzwasserhütte geht Jahr 1914 zurück. Betrieben wird diese gemütliche Almhütte vom Deutschen Alpenverein Sektion Schwaben mit einem freundlichen und kompetenten Team. Sie ist auch im Winter geöffnet und bietet Übernachtungsmöglichkeiten, für die Reservierungen erforderlich sind. Die Schwarzwasserhütte ist Ausgangspunkt für mehrere Wanderungen zu den Berggipfeln. Bedenken Sie, dass es sich um hochalpines Gelände handelt und bei Ausflügen zum Hohen Ifen Trittsicherheit ein Muss ist.

Grasberge

Schönheit der Wildnis

Auch wenn es nur ein kurzer Aufenthalt ist, bleibt genug Zeit, um diese himmlische Landschaft zu genießen – eine Landschaft, die raue Wildnis und ergreifende Schönheit miteinander verbindet.

Das Kleinwalsertal hat viel zu bieten. Weitere spektakuläre Ziele sind die Breitenbachklamm auf deutscher Seite und das Gottesackerplateau. Dieses Plateau, eine geologische Formation, liegt auf der anderen Seite des Hohen Ifen.

Hinweis: In einigen Führern gibt es auch eine Wanderung namens „Schwarzwassertal“, die von der Auenhütte nach Mittelberg hinunterführt. Diese führt in eine weitere Schlucht und ist ebenfalls sehr interessant.

Deutsche Bearbeitung: Redaktionsbüro Niemuth

 

Extremwetter mit starken Gewittern in Süddeutschland im Juni 2021

Peter Engelmann,  3 Juli, 2021

2021: Mit einem kalten Frühling blieben die Temperaturen im Mai unter dem Durchschnitt. Zum Glück gab es in vielen Teilen von Deutschland endlich viel Regen nach einer seit 2018 anhaltenden Dürre. Diese hatte in einigen Regionen zu Waldschäden und führte bereits zu Sorgen über die Zukunft des Wasserhaushaltes und der Trinkwasserversorgung. Im Juni folgte eine Hitzewelle. Im Unterschied zu früheren Jahren kam es aber nicht zum Aufbau langanhaltender stationärer Hochdrucksysteme über Europa. Die Wettersituation war nicht über lange Zeit stabil. Die Hitzewelle wurde durch extreme Wetterereignisse beendet. Wieder einmal gab es Situationen, zum Beispiel in Südwestdeutschland (Reutlingen) oder einer Überflutung in Landshut, wie es sie so in der Erinnerung der Menschen noch nie gegeben hat. Darauf folgten viele Diskussionen, ob dies eine Folge des Klimawandels sei oder einfach einzigartige Wetteranomalien.

Nach der Hitze änderte sich in Bayern das Wetter am 20. Juni 2021. Die Tage davor war es überwiegend trocken gewesen mit Ausnahme erster Gewitter im Südwesten Deutschlands und ind den Alpen. Am 20. Juni begann es am Standort am westlichen Ammersee zu grummeln und ein Gewitter mit nur sehr wenigen Blitzen war dort zu sehen. Wie immer gab und gibt es große regionale Unterschiede auf kleinem Raum: Bald gab es starke Gewitterstürme, aber manchmal passierte ein paar Kilometer weiter gar nichts. Das ist nicht ungewöhnlich und bis heute eine Herausforderung für die Wettervorhersage.

Gewitter in den frühen Abendstunden des 20. Junis bei St. Georgen, Diessen, Ammmersee:

Kurzlebige Gewitterzelle am 20. Juni 2021

Die nächsten Tage gab es eine andere Wettersituation: In den späten Nachmittagsstunden oder am Abend kam es zu sehr starken Gewittern. In Süddeutschland wurden auch rotierende Superzellen beobachtet. Noch viel extremere Gewitter gab es in Frankreich, wo eine Luftmassengrenze tagelang für regelrecht katastrophale Zustände sorgte. Die großen Gewittercluster formten sich in Frankreich immer wieder und zogen nach Belgien und Nordwestdeutschland.

Starkes Gewitter am 24. Juni, ca. 18.45 bei Diessen (Ammersee, Oberbayern)

Sich näherndes Gewitter am 24 Juni 2021

Das extreme Wetter mit schweren Gewittern, Sturzfluten, extremen Hagel dauerte in Deutschland mehrere Tage an. Der Grund: Die Luftmassengrenze in Europa verlagerte sich nur sehr langsam. Sie funktionierte wie eine Maschine und erzeugte immer wieder neue Gewitter. Ein Zeitraffervideo vom 21. Juni 2021 gibt eine Idee davon, wie schnell sich oft die Gewitter entwickelten:

Es war interessant zu beobachten, dass ganz unterschiedliche “Typen” von Gewittern auftraten. Am Beobachtungstandort im Südwesten der Ammerseeregion gab es sehr kurzlebige Gewitter, ein Gewitter, das unglaublich schnell aufzog und dann wieder ein Gewitter, das sich nur sehr langsam bewegte. Bei so einem Gewitter konnte man sehr gut Bilder machen. In der Nacht gab es auch etwas, was von manchen als “Stroboskopgewitter” bezeichnet wird. Gewitter, bei denen man gar nicht so viel lauten Donner hört, aber wo es eine unglaublich hohe Rate an Blitzen gibt. Bei den Gewittern gab es auch welche mit sehr starkem Wind aber auch welche, wo kaum ein Wind wehte.

Das Gewitter am 24 Juni erzeugte einige großartige Blitze:

Gewitter am 24. June 2021

Der Gewittersturm unten zog am 28 Juni 2021 auf und war von intensivem Blitzgeschehen begleitet, jedoch völlig anders als das oben erwähnte “Stroboskopgewitter” in der Nacht davor. Die Blitze waren hier viel besser sichtbar. Nach einem der Gewitter gab es auch einen dicken Nebel nach Sonnenuntergang. Später gab es aber am gleichen Abend noch ein Gewitter mit vielen Blitzen. Die stärksten Gewitter kamen dabei meisten aus der Richtung der Alpen.

Gewitter am späteren Abend, 28. Juni 2021, ca. 22.00 Uhr:

Blitze am 28. Juni 2021

Sturzfluten und Superzellen

Schließlich kam es zu einem Austausch der Luftmassen. Die warme, feuchte Luft wurde durch kältere Luft ersetzt. Der 29 Juni war der vorläufige Höhepunkt dieser Gewitterserie in in Deutschland: In Bayern intensivierte sich ein Superzellengewitter, das aus Baden-Württemberg kam und brachte in Landshut in Niederbayern unglaubliche Regenmengen, die die Stadt regelrecht unter Wasser setzten. Die Tage davor kam es zu einem Tornado in der in Tschechien( Czech republic). Das Video unten zeigt die Situation nach dem großen Gewitter am 29. Juni, bei dem es in Oberbayern auch starken Wind gab.

Hier ist ein Punkt, der auch für Photographen und Filter interessant sein kann: Die meisten Leute sind daran interessiert, ein Gewitter aufzunehmen, wenn es heranzieht. Aber es gibt auch noch viele interessante Stimmungen und Momente, wenn das Gewitter durchgezogen ist. Das Video unten zeigt die Atmosphäre nach dem Gewitter am 29. Juni.