Sonnenuntergang mit Föhn


Am 31. Oktober 2018 gab es an vielen Orten einen unvergesslichen Sonnenuntergang. Am Halloweenabend “brannte der Himmel”. Leuchtend gelbe und rote Wolken ließen den Himmel strahlen. Diese besondere Abenddämmerung ist ein typisches Phänomen im Herbst.

In Oberbayern sorgte der Föhn für perfekte Voraussetzungen. Auf der Nordseite der Alpen war man in einer besseren Situation in diesen Tagen, da in einem Jahr voller Wetterextreme verhältnismäßig normales Wetter herrschte. Die Extreme dauern nämlich weiter an: Der Föhn wurde durch extreme Niederschläge auf der Alpensüdseite verursacht. Dort stieg die feuchte Luft an den Bergen auf, um als Fallwind wieder auf der Nordseite herunterzukommen.

Kurz vor Sonnenuntergang: Die Sonne beginnt die Wolken von unten zu erhellen.

Vor diesem Halloweenabend gab es auch auf der Alpennordseite, in Oberbayern, wieder einmal Extremwetter. Der Föhn hatte sich zum Sturm in der Nacht davor gesteigert und unterbrach Eisenbahnverbindungen. Besonders auf Berggipfeln und in den sogenannten Föhntälern kann ein Föhnsturm gefährlich sein.

Der typische Föhnhimmel: klare Sicht nach Süden




Tagsüber hatte sich das Wetter beruhigt und es entstanden diese interessanten Wolkenstrukturen. Es war gut, dass die Wolken nicht so weit südlich waren (dort am Alpenrand war der Himmel klar). Deshalb konnte vor Sonnenuntergang die im Südwesten stehende Sonne durchscheinen.

Diese Wetterbedingungen herrschen oft im Herbst aber auch um Neujahr herum. Das ist eine gute Zeit zum Fotografieren.

Intensives Orange und Gelb im Westen

Die Hügel im Voralpenland sind immer ein guter Platz, um die Föhnstimmungen zu beobachten. Der Himmel ist durch die trockene Luft sehr klar und man erkennt jede Menge Details in der Silhuette der Alpen im Süden. Jedoch sind die Tage schon recht kurz und es wird rasch dunkel.

Entgegen mancher “Wetterregel” bedeutet Abendrot keineswegs notwendigerweise einen Wetterwechsel. Die nächsten Tage waren verhältnismäßig ruhig auf der Alpennordseite.

Die Natur als Künstler: Kurz nach Sonnenuntergang

In vielen Teilen Europas hingegen setzte sich das extreme Wetter fort. Besonders in Italien entwickelte sich nach tagelangen Starkregenfällen und Unwettern eine katastrophale Situation. In höheren Lagen schneite es auch, so dass einige Touristen festsaßen.

Der Oktober 2018 war ein weiterer Monat, wo die Wetteranomalie des Jahres 2018 in Deutschland anhielt: Es war viel zu trocken und zu warm. Auch schien die Sonne für die Jahreszeit viel zu häufig. Ein neuer Begriff wurde in Deutschland geformt: Oktober-Sommer

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Der spektakuäre Halloween Himmel

Waldsterben im Harz

Erinnern wir uns noch an das “Waldsterben” in den 80er Jahren? In Deutschland und in anderen europäischen Ländern war das ein wichtiges politisches Thema. Es gab geradezu apokalyptische Ängste, dass alle Wälder durch sauren Regen vernichtet werden könnten.

Wissenschaftler hatten herausgefunden, dass die Luftverschmutzung durch Chemikalien eine kritische Konzentration erreicht hatte, selbst da wo Kraftwerke und Industrie sich in großer Entfernung befanden. Die Bilder einer Vielzahl toter Bäume im Schwarzwald, im Harz und im Bayerischen Wald schockten die Öffentlichkeit.

Eine gesellschaftliche Umwälzung war die Folge. Durch die politische Debatte über das Waldsterben kam es zum Aufstieg der Grünen und neuen Gesetzen, die besseren Umweltschutz garantieren sollten. Die Apokalypse blieb aus. Das  Thema “Waldsterben” verschwand schließlich aus den Schlagzeilen.

Doch die Probleme erwiesen sich als weitaus komplizierter, als man zunächst angenommen hatte.  Der Wald erholte sich. Sicherlich waren die Maßnahmen zum Schutz der Luft richtig und notwendig, aber es erwies sich, dass die ursprünglichen Annahmen der Wissenschaftler so nicht richtig waren.

Es war nicht immer der saure Regen, der Bäume sterben lies. Heute wissen wir, dass wir es mit einer komplexen Verkettung von Umständen zu tun haben, die wir immer noch nicht völlig verstanden haben.

Nun sehen wir wieder dramatische Bilder im Harzgebirge. Diese Aufnahmen entstanden im Westharz auf einer Wanderung von Torfhaus zum Achtermann im Sommer 2018. Es gibt dort einen fantastischen Weg von Torfhaus nach Braunlage, einem Skizentrum im Winter. Doch diesmal erinnerte die Szenerie, als man näher an Braunlage heran kam, an den Endzeitfilm “The Road”.

Die Behörden des Nationalparks sagen, dass dieser Verfall, der nicht beeinflusst wird, so in Ordnung sei. Diesmal ist nicht der saure Regen verantwortlich, sondern der Borkenkäfer. Das Management möchte bewußt diese Bäume, überwiegend eine Fichtenmonokultur, sterben lassen, und dort einen gesünderen Wald heranwachsen lassen..

Es braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass dieses Vorgehen der Nationalparkverwaltung zu einer großen politischen Kontroverse geführt hat. Es gibt aber Beispiele, die belegen dass das Management hier auf dem richtigen Weg ist. Vor einigen Jahren gab es die gleiche Diskussion im Bayerischen Wald. Tatsächlich erholt sich der Wald, aber es dauert viele Jahre, bis die Besucher den Wald wieder in seiner ganzen natürlichen Schönheit genießen können. Und wieder scheint es so, dass wir noch nicht so genau wissen, was eigentlich vor sich geht.

Der Klimawandel ist der große neue Player im Spiel. Anders als beim Borkenkäfer und dem sauren Regen sind die Folgen viel schwerer vorherzusagen. Der Wald leidet unter Hitze und Trockenheit im Sommer. Üblicherweise fällt im Harz eine Menge Regen im Sommer, bei Torfhaus zum Beispiel 1600 mm pro Quadratmeter. Die Berge des Harzes befinden sich weit nördlich in Deutschland und die Tiefdrucksysteme, die vom Atlantik kommen, liefern eine Menge Regen.  Das Klima im Harz ähnelt mehr dem in Skandinavien.  Doch dieses änderte sich über die letzten Jahre konstant. 2016 war schon zu trocken und 2018 war dramatisch. Die Hitze produzierte perfekte Bedingungen für den Borkenkäfer. Die Bäume waren bereits durch den Wassermangel geschwächt. Aber es gibt noch weitere Probleme.

In den letzten Jahren haben verheerende Stürme wie “Sebastian” und Friederike” enorme Verwüstungen angerichtet.  Sie fällten viele Bäume. Es ist trotzdem sicher die beste Idee, die Monokulturen zu beseitigen. Aber wir können nicht mit Sicherheit sagen, was passieren wird , genau wie vor 30 Jahren.  Die Nationalparkverwaltung tut ihr Allerbestes, aber wir befinden uns in einer Situation mit massiven globalen Veränderungen.  Wir haben begonnen, in einer anderen Welt zu leben. Das Waldsterben ist wieder zu einer realen Bedrohung geworden. Wir wissen nicht, ob wir wirklich noch die Kontrolle haben. Wir haben gelernt, dass manche Annahmen, die vor 30 Jahren über die Ursachen des Waldsterbens gemacht haben falsch waren, und nichtsdestotrotz gab es eine ganz reale Bedrohung. Und heute ist es ganz ähnlich.  Jetzt ist es das Wichtigste, offen zu sein, in ale Richtungen zu denken, und vor allem stärkere Schutzmaßnahmen für alle Wälder in Kraft zu setzen. Daneben ist es wichtig, mehr in die Forschung, insbesondere auch in die Grundlagenforschung, zu investieren.

Stock photography by Peter Engelmann at Alamy

Gewitter in der Dämmerung

Photo Tip: Schauer und Gewitter kurz bevor Sonnenuntergang fotographieren.

Was ist die beste Zeit, die dramatischsten Ereignisse am Himmel einzufangen? Selbstverständlich morgens oder wenn es dunkel wird. In Europa eignen sich besonders Mai und August dafür, Gewitterwolken im späten Tageslicht zu erwischen. Besonders im August werden die Tage schon kürzer und es ist oft nicht mehr so viel Dunst in der Luft.

Aufnahmen zur Zeit des Sonnenuntergang mit rasch ziehenden Wolken sind immer eine Herausforderung: Die Lichtbedingungen verändern sich ständig.  Wenn möglich sollte man im “raw mode” fotografieren und das Material nachträglich verbessern. Wichtig ist auch die Kamera stabil auf einem Stativ zu befestigen und einen Fernauslöser /Timer zu benutzen..

Einige Gewitter im August

Anfang August boten sich einige Gelegenheiten, Gewitter- und Schauerwolken am frühen Abend zu fotografieren. Der seltsame Sommer mit seinen Schlagzeilen wegen der Hitzewelle und der fortdauernden Dürre hielt in vielen Teilen Europas immer noch an. Es gab immer noch keinen langanhaltenden Regen. In  Bayern gab es in der Nähe der Alpen wie zuvor schon Schauer und Gewitter häufiger.

Intensives Gewitter über den Bayerischen Alpen am 9. August 2018

Am 9. August 2018 gab es in Deutschland Unwetter. Diese Gewitterzelle hier in Oberbayern erschien zum Sonnenuntergang. Hier sieht man die Rückseite des Sturms. Da das Sonnenlicht rasch schwand, blieb wenig Zeit Bilder zu machen.


Stock photography by Peter Engelmann at Alamy

Auch ein paar Tage später konnte man beeindruckende Wolken gegen Sonnenuntergang sehen.  Im Westen wurden die Wolken durch das Licht der untergehenden Sonne in Rot und Geld für kurze Zeit angestrahlt. Die Spitzen der Wolken erschienen eine Weil lang in strahlendem Gelb. Die unteren Teile der Wolken lagen schon im Schatten und die dadurch entstandenen dunkleren Farben trugen zur Dramatik bei.

Wieder einmal zeigte sich, dass die rasch wechselnden Bedingungen, wie die Wolken beleuchtet werden, es nötig machen, in solchen Situationen schnell zu reagieren. Daher sollte man seinen Beobachtungsplatz schon vorher kennen und dort warten, damit man nicht Zeit verliert mit der Suche nach dem besten Standort.

An einem der Abende im August fühlte man plötzlich eine herbstliche Luft. Es war etwas kälter und die Szenerie mit den tief hängenden Wolken erzeugte dieses Herbstgefühl.  Dies ist für Mitteleuropa nicht ungewöhnlich. Aber die extremen Wetterbedingungen im Ausnahmejahr 2018 führten zur raschen Rückkehr des Hochsommerwetters. Die Dürre richtete inzwischen immer größere Schäden an. Mehr und mehr Forscher sagten nun, dass 2018 ein Wetterextrem ohne Beispiel sei.

Wolkenfilmen und Gewitter bei Sonnenuntergang: Es gibt hier eine besondere Schwierigkeit bei Videos: Wenn es möglich ist, sollte man alle automatischen Funktionen der Kamera abschalten, da die Kamera sich sonst automatisch an die wechselnden Lichtverhältnisse anpasst. Das Ergebnis sind unerwünschte “Jumps” in den Videos (das Bild wird plötzlich heller). Videos sind oft “try and error”, da keine Wettersituation genauso ist wie die davor. Jede Aufnahme verlangt andere Einstellungen


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https://youtu.be/r7jZ9423ojE
Gewitter im August nach Sonnenuntergang. Interessante Wolkenbewegungen in der unteren Hälfte des Bildes.



27. Juli 2018: Blutmond

Ein fast klarer Himmel in Oberbayern bot gute Bedingungen, ein einzigartiges astronomisches Ereignis in diesem Jahr zu beobachten: die totale Mondfinsternis, die als “Blutmond” angekündigt worden war. Diese Finsternis würde länger dauern als jede andere in diesem Jahrhundert. Außerdem befand sich der Mars als in diesem Jahr besonders heller Planet in der Nähe des verfinsterten Mondes. In den Abendstunden wären zudem Venus und Jupiter zu sehen. Dazu sollte um 10.30 auch noch die internationale Raumstation über Deutschland fliegen.

Ich wählte ein Wiese als Beobachtungspunkt, von wo aus man einen guten, freien Blick zum östlichen und südlichen Horizont haben würde. Der Standort erwies sich als gute Wahl, und ich hatte rasch Gesellschaft von anderen Beobachtern aus der Ammerseeregion.

Der 27. Juli 2018 war ein heißer Tag mit einigen hohen Wolken im Südosten. Nahe des Horizonts befand sich eine Dunstschicht. Daher war der Mond zum Zeitpunkt seines Aufgangs noch nicht zu sehen. Um 21.20 erschien eine  schmale Sichel zwischen den Wolken. Zu dieser Zeit war der Mond noch nicht völlig verfinstert.

Stock photography by Peter Engelmann at AlamyStock photography by Peter Engelmann at Alamy

Wenig später erschien die Mondscheibe orange-rot verfärbt. Das war also der sogenannte “Blutmond”.  Für einige Zeit war es noch nicht richtig dunkel und der Mond war nicht so “prominent” am Himmel wie sonst. Er war mehr wie eine gerade so sichtbare Scheibe am tiefblauen Himmel.

Doch als die Nacht vollends hereinbrach, wurde das Schauspiel immer beeindruckender.

Ich konnte einige Gewitterwolken in der Entfernung sehen und später trug auch noch Wetterleuchten zu diesem einzigartigen Spektakel bei.

Schließlich erschien auch der Mars über dem Dunst im Süden. Es war ein großartiger Anblick. Der Mars war viel heller als der Mond, aber beide Himmelsobjekte hatten die gleiche orange-rote Farbe. Es war ein seltsamer Himmel.

Roter Mond und Mars. Der Mars befindet sich aus der Sicht der Erde in direkter Opposition zur Sonne.

Um 22.00 bedauerte ich langsam, keine Jacke mitgebracht zu haben, denn es wurde empfindlich kälter. Es ist normalerweise auf dem Land ein großer Vorteil während der Hitzewelle dieses Jahres, dass es nah an den Bergen abends kühler wird und nicht so tropisch warm bleibt wie in den großen Städten.

Das fantastische Ereignis lies mich aber die jetzt doch deutlich spürbare Abkühlung vergessen. Ein Höhepunkt war der Vorbeiflug der Raumstation ISS.

Nachdem es völlig dunkel geworden war, entfaltete sich das Himmelsspektakel vollends als unvergesslicher Eindruck: Ungefähr in der Zeit, nachdem die ISS vorbeigeflogen war, zeigte sich die Milchstraße.

Normalerweise kann man die Milchstraße bei Vollmond nicht sehen. In dieser Nacht war sie ein fantastischer Anblick.

Offenbar hielten sich über den Alpen einige langanhaltende Gewitter, denn immer wieder sah man Wetterleuchten im Süden.

Blutmond, Mars und Wetterleuchten über den Alpen





Inzwischen hatten sich eine ganze Menge Leute auf der Wiese oberhalb von Dießen versammelt und blickten mit Staunen in den Himmel. Es war wirklich ein Ehrfurcht gebietendes Ereignis.

So lange der Mond völlig verfinstert war, herrschte eineganz besondere entrückte Stimmung. Nach 23.00 endete die totale Verfinsterung und der Mond wurde rasch heller. Die Milchstraße konnte man nicht mehr länger sehen, aber dieses besondere Ereignis wird für immer in meinem Gedächtnis bleiben.

Verfinsterter Mond, Mars, Milchstraße

Die Photographie kann so eine Atmosphäre nur in Teilen einfangen. Es ist auch eine gewisse Herausforderung, so etwas aufzunehmen, da sich die Lichtverhältnisse ständig ändern. Längere Belichtungszeiten führen zu sichtbaren Bewegungen auf dem Bild und ein Objekt, wie der Mond, ist nicht mehr länger scharf.

Aber auch mit einer normalen Ausrüstung, die normalerweise nicht für Astrophotographie ausgelegt ist, lassen sich einige beeindruckende Ergebnisse erzielen, wenn man ein Stativ und einen Timer benutzt. Am besten ist es viele Aufnahmen mit verschiedenen Belichtungszeiten zu machen.

Ich verwendete eine Empfindlichkeit von ISO 400, als die Finsternis begann, dann 640, 100 und ein paar Aufnahmen mit ISO 3200. Da bei Nachtaufnahmen Rauschen doch rasch zum Problem werden kann, reduzierte ich das Rauschen mit Photoshop.